Samstag, 11. Januar 2014

Einkaufen – oder – Das Leben ist eine Satire!

Es ist einer dieser Tage wie sie einmal in der Woche in fast allen deutschen Haushalten begangen werden. Um genau zu sein, es ist der Tag an dem sich der örtliche Discounter ab spätestens 06:00 Uhr morgens auf meinen nachmittäglichen Einkaufsbesuch vorbereitet. Da werden in froher Umsatzerwartung die Parkplätze gesäubert, die Begrenzungslinien zwischen den Park-buchten neu markiert und die Einkaufswagenabstellanlage samt Einkaufswagen Hochglanz gereinigt. Jedenfalls würde ich diese Maßnahmen im Vorfeld der täglichen Kundenbesuche, für zwingend Erforderlich halten. Aber leider bin ich nicht der Marktleiter. Deswegen wird auch auf eine Reinigung des Eingangsbereiches regelmäßig Verzichtet. Dafür sind die Regale bis zum bersten gefüllt, zumindest die Ebenen, in denen die teureren Produkte auf Augenhöhe den Kunden präsentiert werden. Nach dem Motto: „Wer bei uns sparen möchte, muss sich bücken!“ Und obwohl ich unter Kreuzschmerzen leide und auch nicht Kleinwüchsig bin, nehme ich die Bückorgie in Kauf, jedenfalls manchmal.
Ich bin als alter Einkaufshase in der Lage, alle regelmäßig benötigten Artikel im Discounter meiner Wahl mit verbundenen Augen, oder im Halbschlaf zu finden. Es sei den, der Marktleiter hat in weißer Voraussicht eine Umräumaktion befohlen, damit der Einkauf mehr Spaß macht. Ich weiß nicht, ob er damit seinen sadistischen Neigungen frönt, wenn er hinter der von außen blickdicht verglasten Kontrollscheibe seines Büros steht, und die Kunden bei der verzweifelten Suche nach ihren Lieblingsartikeln beobachtet. Aber ich fürchte, diese für die Kunden nervige Obsession des ständigen Umbauens, ist eine persönliche Grundqualifikation, für den Beruf des Marktleiters beim Discounter. Also irre auch ich suchend und fluchend durch die scheinbar endlosen Gänge zwischen den Regalen, um die Margarine zu finden. Jene Margarine, welche die letzten zwei Wochen noch direkt neben der Tütensuppe und dem Shampoo zu finden war. Nach einer gefühlten Ewigkeit von etwa einer Minute erwische ich eine Verkäuferin dabei, wie sie die letzten beiden Margarinetöpfchen hinter den Kerzen, direkt bei den Turnschuhen aus dem Wochenangebot versteckt. Ich entreiße ihr ein Töpfchen und fliehe auf der Suche nach dem Discounterbier in Richtung Kühltheken. Und dieses mal habe ich Glück, zwischen der Kühltheke für Kartoffelprodukte in der sich der Backfisch befindet und der mit Speiseeis gefüllten Gemüsetheke, steht das Bier. So jetzt habe ich alles und haste zur Kasse. Wie alle anderen Herdentiere stelle ich mich brav bei einer Kassenschlange an und harre der Rechnung mit gemischten Gefühlen, apropos gemischt, ich habe die Packung dreifarbig gemischter Paprika vergessen. So beginnt sie von neuem, die Tour de Discount. Immerhin stehe ich schon nach fünfzehn Minuten wieder an einer Kassenschlange und auch wenn das Erdbeereis mittlerweile flüssig ist, ich bin stolz es wiedermal geschafft zu haben.
Der Schock ereilt mich wie immer nach dem die hübsche Kassiererin in Weltrekord verdächtigem Tempo meine Einkäufe über den Kassenscanner gejagt hat. 12 kleine Artikel für Schlappe 49.35€! Wenn sie wenigstens ein Sauerstoffzelt hätten, für die Opfer dieser Einkaufskatastrophen. Ich vermute ja, das es da bestimmte versteckte Gebühren und Abgaben gibt, die bei jeder Discounter-kette erhoben werden und in den Kassensystemen voreingestellt in den Einkaufspreis mit eingerechnet sind. Ähnlich der versteckten Steuern und Gebühren die uns die Politik zumutet. Im Falle der Discounter könnte ich mir da eine Kassenbandbenutzungsgebühr vorstellen, oder eine Anstellpauschale für die Wartezeit in der Kassenschlange. Wer weiß! Ich für meinen Teil gehe, wie immer mit halbvollem Einkaufskorb und ganz leerer Geldbörse, zu meinem Automobil. Als ich den Wagen starten möchte informiert mich die Treibstoffanzeige dann freundlich aber bestimmt, das die Treibstoffmenge im Tank leider für den Nachhauseweg ein wenig knapp bemessen ist.
Gott sei dank hat es aufgehört zu regnen! Allerdings erst als ich mit meinen Einkäufen nach 15 minütigem Fußmarsch zuhause die Treppen erklimme. Ich freue mich schon auf nächste Woche beim Discounter, vielleicht schaffe ich es bis dahin sogar einen Kanister Benzin zu gewinnen, beim wöchentlichen Tankstellenbingo um die Ecke.