Dienstag, 2. April 2013

Sein Wille geschehe


Die Flammen leuchteten den Nachthimmel kilometerweit aus, fast zwei Hektar Nutzwald brannten lichterloh. Während die ersten Feuerwehreinheiten das Waldgebiet in der Rhön, in unmittelbarer Umgebung zur Wasserkuppe erreichten, saß der Mann auf der dem Wald gegenüberliegenden Straßenseite auf einem versteckten Hochsitz. Er liebte das Feuer, er verehrte die Flammen. Wenn zwölf Meter hohe Fichten sich in wilde Fackeln verwandelten, fühlte er das Er etwas Besonderes war. Während die Männer und Frauen der Feuerwehren unter Einsatz ihres Lebens gegen das schnell um sich greifende Flammenmeer kämpften und die Bewohner abseits gelegener Gehöfte um ihre Existenz bangten, war er sich sicher, dass es Gotteswille war.
Er der regelmäßig in seinen Träumen vom Himmlischen persönlich ausgeschickt wurde, die Menschen mit dem Feuer die Gottesfurcht wieder zu lehren, er das Werkzeug des Allmächtigen, er war stolz auf die Furcht in ihren Augen.
Und während er dem Feuer dabei zusah, wie es Meter um Meter, Baum um Baum, sich seinen Weg bahnte, freute er sich über die Ehre, die sein Gott ihm zuteil werden ließ, ausgewählt zu sein unter all den Versagern um ihn herum.
Das der Wind sich gedreht hatte bemerkte er erst, als seine Haut im Gesicht von Funkenflug und Hitze getroffen wurde, da brannte der Hochsitz bereits. Das Feuer, seine Leidenschaft, hatte die Straße überwunden.
Im Zeitungsbericht zwei Tage später lasen die Menschen der Rhön, dass der Brandstifter wieder am Werk war. Obwohl man die verkohlte Leiche in dem niedergebrannten Hochsitz noch nicht identifiziert hatte, waren sich die Ermittler sicher, hier hatte ein Feuerteufel seinen letzten Brand gelegt. Eine nicht vollständig verbrannte Taschenbibel bei der Leiche und eine Halskette mit einem goldenen Kreuzanhänger blieben die einzigen Hinweise auf die Identität des Mannes. Seine Kleidung, eine schwarze Soutane, wurde ein Raub der Flammen.